Die CDU-Fraktion beantragte für die Gemeindevertretung am 22.10.2020 die Beratung und Beschlussfassung über die Einamtung der Gemeinde Sylt in das Amt Landschaft Sylt. Begründet wird dies im Wesentlichem mit dem Vorteil: „Eine Insel, eine Verwaltung.“

Wo liegen die Vorteile?

Lassen Sie mich überlegen. Eine, also eine einzige, Verwaltung haben wir bereits. Die Inselverwaltung ist für die gesamte Insel zuständig, für alle fünf Gemeinden und die insularen Zweckverbände.

Ein weiterer Vorteil liegt wohl drin, dass die politischen Vertreter die Leiterin bzw. den Leiter der Verwaltung wählen und nicht wie bisher die Bevölkerung. Mag undemokratisch klingen, ist auch so - und daher wohl nicht wirklich ein Vorteil.

Wo liegen die Nachteile?

Die neue, zusätzliche Leiterin/der neue Leiter der Verwaltung verursacht jährliche Personalkosten von rd. 160.000 € - Einsparungen sind zunächst nicht ersichtlich.

Das Modell führt auch nicht zu einer Verschlankung der Verwaltung - die Gemeinde Sylt müsste für die verbleibenden Aufgaben (wie auch die anderen vier Inselgemeinden es bereits haben) ein Gemeindebüro einrichten, das personell zusätzlich zu besetzen wäre. Auch dies führt zu Mehrkosten.

Es wird auch keine „kürzeren Wege“ geben, da der Bürgermeister der Gemeinde Sylt für die Vorbereitung der Beschlüsse zuatändig bleibt. Er wird dabei unterstützt durch die neue zusätzliche Leitung der Amtsverwaltung und sein bisheriges Personal, aber eben über die neue Leitung der Amtsverwaltung. Ein weiterer Schritt, ein längerer Weg.

Die Idee, über einen gemeinsamen Amtsausschuss insulare Abstimmung zu erreichen, geht ins Leere. Denn: Dem Amtsausschuss dürfen nur maximal fünf Aufgaben aus den Gemeinden übertragen werden. Und der Amtsausschuss würde mit weit überwiegender Stimmenmehrheit von der Gemeinde Sylt dominiert werden. Welche Aufgaben würden dem Amtsausschuss wohl übertragen? Mit Sicherheit nicht die brennenden insularen Themen, die dann von der Gemeinde Sylt entschieden würden. Ach ja: Der Amtsausschuss wird übrigens nicht von der Bevölkerung gewählt sondern durch die Politik besetzt - er ist also ein nicht legitimiertes Gremium.

Insulare Abstimmung?

... erfolgt mit Sicherheit nicht durch eine (1) Verwaltung. Insulare Abstimmung muss auf politischer Ebene erfolgen. Ein „Amtsmodell“ - unter großem Zeitdruck und ohne wirkliche Bürgerbeteiligung „durchgepeitscht“ - lenkt hiervon ersteinmal ab. Aber das wäre mal ein Modell: Freiwillige insulare Abstimmung auf politischer Ebene, direkt und auf Augenhöhe. Hierfür bieten sich insulare Zweckverbände an, wie die Erfahrung zeigt oder auch insular arbeitende Parteien. Das schafft Vertrauen - und am Ende vielleicht sogar eine Fusion aller fünf Gemeinden zu einer einzigen Inselgemeinde. Das wäre mal ein echter Schritt mit vielen positiven Folgen.

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Die Wut greift an und verletzt
wer wütet erkennt seine Grenzen kaum
wichtig was jeder dagegen setzt:
Wertschätzung! Sie gibt Respekt weiten Raum.
(Bernd Standhardt für Nikolas Häckel, www.meer-als-worte.de)